Samstag, 6. März 2010

05.03. - court in the act

Ganz entspannt gings auch heute zu, jedoch wohl nur für mich, denn wir durften, gemeinsam mit Detective Sergeant (sehr hoher Rang, davon gibts nur 270 von 5500 Polizisten in Toronto) Michael Barsky zu Gericht. Er ist Ermittler in "homicide squad" sprich der Mordabteilung. Ein wahrer Gentleman und auch wenn ich nicht alles verstehe, was die hier sprechen, wohl ein sehr intelligenter Mann. Er nahm uns also mit zum höchsten Gericht der Stadt, wohl verglichbar mit dem Landgericht bei uns. Hier wurde ein Fall verhandelt, den er bearbeitet hatte. Die Verhandlungen laufen jetzt schon seit vier Monaten und er muss dann jeden Tag dort sein. Deshalb hat er/die Einheit auch ein eigenes Büro dort.

Sehr interessant war zu sehen, wie die Jury, ganz normale Personen aus dem Leben, in den Gerichtssaal kommt und eigentlich alles nur für diese dort abgehalten wird. Alle Zeugen sprechen zu ihnen hin und alle Beweisstücke werden der Jury vorgelegt, nicht dem Richter. Wer in der Jury ist, bekommt übrigends nicht viel Ausfallgeld (50-100 Dollar am Tag) aber der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Lohn weiter zu zahlen. Crazy, oder?

Jedenfalls ging es um einen Gang-Mord. Ein Junge wurde in einer Schule erschossen. Die Tatverdächtigen sind in der selben Gang wie er, jedoch hatte der Ermordete wohl einen anderen aus der Gang missachtet. Da wird dann schonmal etwas härter durchgegriffen... Das Interessante an dem Fall war, dass hier eine ganz kleine, sogenannte Pocketpistole, verwendet wurde. Da der Schuss aufgesetzt war, wirkte der Brustkorb wie ein Schalldämpfer und niemand hatte die Schüsse gehört. Einer der Täter verrieht sich später aber, da er den Bruder des Toten anrief und ihm sagt, dass dieser ein Loch in der Brust hatte. Zu dieser Zeit konnte man dieses Loch aber noch nicht sehen. Es war durch die Kleidung verborgen und das Einschussloch war aufgrund des 25er-Kallibers zu klein um es in der Kleidung sehen zu können.

Naja, jedenfalls war der Bruder, der angerufen wurde vom Mörder, auch zufällig im Gericht und das hat unser Ermittler spitz bekommen. Da ging dann der Stress los, denn er wollte diesen noch schnell als Zeugen zur Verhandlunge ranholen und hat das auch geschafft. Warum der Bruder auch "zufällig" im Gerichtsgebäude war?: Er war Angeklagter in einem anderen Mordfall!

Das klingt euch alles bissl nach Film? Ja, so war das auch. Der Staatsanwalt ging im Büro des Ermittlers ein und aus und legte die Füße hoch und man machte Witze, die ich nicht verstand. Wirklich wie im Film... alles crazy hier :-)

Am Nachmittag habe ich mir Kunst reingezogen im MOCCA, dem Museum für zeitgenössige Kunst in Toronto. Aber das war nicht besonders groß und auch nicht besonders dolle. Das Ding auf Stelzen ist übrigends die Kunsthochschule von Toronto. Wie das statisch funktioniert weiß ich aber immer noch nicht...




4 Kommentare:

  1. Die Ampeln sehn geil aus, mit diesen runden Auswölbungen und und der Form überhaupt.

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  2. Ja, das klingt wirklich alles nach Film und würde mir wahrscheinlich auch ein bisschen Angst machen. Gott, da lob ich mir doch mein beschauliches Böhla, wo keine Crackdealer rumlaufen und man auch nicht gleich an der Bussi abgeknallt wird :-)

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  3. Nun ja, Toronto und auch Kanada gelten insgesamt als extrem sicheres Land. Ein Blick über die Nahen Grenzen nach USA lassen einen das immer wieder begreifen. In Toronto gab es letztes Jahr 68 Morde, wovon viele zwischen Gangs passieren. Das ist nicht sehr viel bei der Größe dieser Stadt. Man fühlt sich schon sehr sicher hier...

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  4. Also wenn du in der Stadt wärst würde ich auch lieber keinen umlegen.

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